Der "Haleberg" bei Neustift im Felde

Verfasser: Andreas Nowotny




Haleberg

Parz

Hanidorf

Altendorf

Winkl

Gigging

Altenwörth

Kirchberg

Bierbaum

Frauendorf




Der Haleberg heute





Zirka 200 bis 300 m östlich des Ortsgebietes von Neustift im Felde an der ehemaligen "Ochsenstraße", einem uralten Ost-Westweg (gewissermaßen ein

"Pleketeweg" des Niederwagrams) entlang des ehemaligen nördlichen Donauufers, der vor der Kommassierung geradewegs nach Absdorf, Hippersdorf und

Absberg führte, liegt der Haleberg. Heute eher unscheinbar, da kürzlich rundherum weit höhere Schotterhügel aufgeworfen wurden, und zwischen Bäumen

versteckt. Das Besondere am Haleberg ist jedoch sein Alter. Er wurde, sofern sein Kern nicht älter ist, in der Hallstattzeit, etwa 750 Jahre v. Chr. Aufgeworfen.

Was bedeutet der Name Haleberg?

Ing. Mann, "Die Orts- und Flurnamen im Bezirk Kirchberg/ Wagram" 1) aus den 1950er Jahren:

83 Leeberg:

Ahd:. Hleo, Mhd: le , vgl. Ahd. Lewari, ... Hügel

Leeberg u. -bigl heißen in N.Ö. jene künstlichen Hügel (Tumuli), welche teils Grabhügel waren, teils Umwallungen der Wohnsitze der alten heidnisch –

germanischen Bevölkerung. Oft waren sie auch Mal- oder Dingstätten. Die Gemeinden Dörfl, Neustift und Hippersdorf zeigen deutlich einen Teil der Kette an, in der

solche Leeberge errichtet wurden. Diese Kette reicht im Bezirk über Großweikersdorf hinaus. Über einige solcher Tumuli siehe Dr. A. Kerschbaumer. Und Dr. Much

klärt den Irrtum auf, daß nicht Franzosen oder Schweden das Erdreich zu den Leberi zusammengetragen haben, weil diese Tumuli ja schon etwa im 4. Jhdt. n.Chr

(?) errichtet worden sind. 2)

510a) Hohleeberg: ma. Hohleberi; siehe vorerst Nr. 683: Der Holeeberg östlich Neustift, an der "Ochsenstraß", ist zugleich Freiheitsgrenze zwischen den

Gemeinden Neustift und Winkl.

Ein uralter Grabhügel, vielleicht aus dem 4. Jhdt. Auf dem Gemeindegrundstück 1162 Neustift mit Schrittmaßen festgestellt: Der Hlbg. ragt auf einer Fläche von ca

290 m² und einer Höhe von ca. 2 m mit einem Volumen von ca. 580 m³ über den Erdboden. Eine Grube in nächster Nähe hat ergeben: Fläche ca. 120 m², Tiefe ca

1,5 m, also Volumen ca. 180 m³. Man sagt, daß die Grube einst viel tiefer war. Ob die Volumensdifferenz durch Sandverwehung allein entstanden ist, kann schwer

beurteilt werden.

Jedenfalls erzählte M. Schmit (geb. 1862) : Zum Haleeberi sollen die Schweden Erde mit Tschakos zusammengetragen haben.

Darüber Näheres: Nr. 683.

Kießling meinte: Eine Einsenkung auf der Oberfläche würde auf eine Grabkammer schließen lassen.

Wörtlich: "Der hohe Leeberg". 2)

Prof. Ludwig Piffl nannte den "hohen Leeberg" sicher richtig "Haleberg". Begründung:

Dr. Georg Rohrecker gibt in seinem Buch „Die Kelten Österreichs – Auf den Spuren unseres versteckten Erbes“ folgendes über Ortsbenennungen keltischen Ursprungs betreffend Wallfahrten in der Keltenzeit zu Maria Saal an:

...wollen wir bei sal auf jeden Fall noch die Kärntner Marktgemeinde Maria Saal anführen, ein prähistorischer Wallfahrtsort, der seinen Namen natürlich von keinem

Saal, sondern von der uralten Heiligkeit des Ortes hat, der schon lange vor der Christianisierung Ziel einer bedeutenden „Wallfahrt“ war. „Sa(a)l“- und „Salz“-Namen

sind in Österreich weit verbreitet, wie auch Hall- und Holl-Namen. Beides bezeichnet dasselbe, wie auch „heilig“ und „selig“ ursprünglich gleichbedeutend waren

und nicht die Abstufung kannten, die ihnen später durch den katholischen Heiligenkult und seine Reglementierung unterlegt wurde. 3)

Und weiter Sinngemäß: Das Keltische war nichts, was rassisch oder genetisch zu fassen wäre, sondern nur „kulturell“ und (mit Einschränkungen und weniger

leicht „nachweisbar“) sprachlich, was heute als „das Keltische“ angesprochen wird. 3)



Da nun mit Sicherheit angenommen werden kann, daß der „Haleberg“ aus der Hallstattzeit ca. 800 bis 700 v. Chr. stammt (Siehe Prof. Dr. Richard Hübl,

Geschichte der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram) 2) wird höchstwahrscheinlich die Benennung Hal(l)e(e)berg bzw. auch Holleeberg richtig sein.

Wozu wurde der Haleberg oder Holleeberg errichtet?

Daß es sich hier um einen keltischen Tumulus (Grabanlage) handelt, kann derzeit nicht mit Sicherheit bestätigt werden, vielleicht hatte er auch eine 3fach-Funktion

Grabanlage, Wegmarke und Heiligtum.

Wir werden von Georg Rohrecker in seinem Buch „Die Kelten Österreichs“ 3) Seite 28 über Profane Infrastruktur folgendermaßen informiert:

Unsere keltischen Ahnen bauten sich für ihr Transportwesen nicht nur spezielle, den jeweiligen Verhältnissen angepasste Schiffe, sondern, wie gesagt, auch

leistungsfähige zweirädrige Karren und vierrädrige Wagen .....

.... und waren auch ausgezeichnete Straßen- und Brückenbauer, die im gesamten Alpenraum ein äußerst funktionsfähiges Straßennetz auf robustem,

ausgeklügeltem Unterbau schufen und unterhielten.

An wichtigen Sraßenkreuzungen bestanden schon in keltischer Zeit unverzichtbare „Stützpunkte“ mit damals allerdings profaner sowie sakraler Funktion, die

von speziellen „Eremiten“ betreut wurden, die ihre Berufsbezeichnung von den dort befindlichen „Hermen“ - Hermes/Ermin geweihten Kultpfählen oder

Steinpyramiden- ableiteten, die an gewissen Stellen sogar noch in weite Vorzeit zurückweisen.

Eigentlich bekamen sowohl der griechische Hermes als auch der keltische Ermin ihre Namen von den geschilderten Wegmarken und nicht umgekehrt. Die

herausragenden Steinhaufen, die von den vorüberziehenden Reisenden zum Teil bereits seit der Jungsteinzeit immer höher aufgetürmt worden waren, wurden bei

uns namensgebend für für den keltischen „Hermes-Bruder“ Ermin, der sich aus keltisch erminos („sehr erhaben“) ableitet. Aus den nahe den „Hermen“

gelegenen Wohn-Zellen der keltischen „Eremiten“ sollten sich übrigens später die ersten „christlichen“ Klöster entwickeln.

Zwischen den großen Stützpunkten gab es kleinere Posten. Wie heute noch in der Küstenschifffahrt üblich, halfen dort bei Nebel und Dunkelheit akustische und

Lichtsignale dabei, sich zu orientieren.

Und selbst wo es weder spezielle „Eremiten“ und besondere Signale gab, sorgten auf ihre Art „sprechende“ Orts-, Flur-, Berg- und Gewässernamen für

geeignete Orientierung – wenn jemand da war, sie zu nennen. Entgegen allen „germanisierenden“ Deutungen sind unsere Landkarten bis heute übervoll von diesen

keltischen Spuren, denen wir noch genauer nachgehen werden. 3)

Also ist der Haleberg mit ziemlicher Sicherheit eine solche Wegmarke, die von jedem vorüberkommenden Reisenden zwar nicht mit (nicht vorhandenen) Steinen,

sondern mit jeweils „einem Helm voll Erde“ (wie eine Sage besagt) bedacht wurde.

Doch was hat diese Wegmarke hier für einen Sinn?

Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Donau in der Hallstattzeit bis zum Haleberg gereicht hat (das Hochwasser aus dem Jahre 2002 hat dies deutlich bewiesen.

Zirka 100 Meter südöstlich des Haleberges geht aus der Winkler Flur „im See“ kommend, eine sog. „Lahn“ vorbei, die heute natürlich ausgetrocknet ist und teilweise

aufgeschüttet wurde. In dieser „Lahn“ befand sich übrigens die von Ing. Mann östlich des „Hohleeberges“ genannte Grube (Opfergrube?).

Rohrecker im Kapitel „Wurzeln und Basis des keltischen Österreichs“ über die Wirtschaft:

Aus dem Haselgebirge beim Dürrnberg und in Hallstatt kam das Salz....

Aus der Grauwackenzone vom unteren Inntal bis zum Semmering kam das wertvolle Kupfer

Aus den Hohen Tauern (der Name stammt von kelt. Tavros, Tauros= Stier) sowie aus der Salzach kamen das Gold selbst und eine Fülle an Edelsteinen.

Und aus den niederen Tauern stammte schließlich der Großteil des berühmten „Norischen Eisens“, das noch zum unverzichtbaren Bestandteil für die Aufrüstung

der Römer zur damaligen „Supermacht“ werden sollte. .... 3)

und weiter im Kapitel „West- Ost-Ausdehnung“:

Entlang der Alpennordseite entwickelte sich zwischen Gebieten ähnlicher Klima- und Lebensbedingungen ...., Beziehungen, bei denen vor allem das Salz aus

Hallstatt und Hallein/Dürrnberg eine herausragende, fast monopolartige Rolle spielte.

Salz war vor allem deshalb so kostbar, weil es lebensnotwendig war. ....

Nicht zufällig kommt unser Wort Salz vom keltischen salvos/salannos und bedeutet Heiliges. Und beileibe nicht überall, wo heute etwas mit „Salz“ auf unseren

Landkarten und Ortstafeln steht, ist das Salz selbst die richtige Spur, sondern es geht vor allem um die Heiligkeit bestimmter Orte in der namensgebenden keltischen Zeit.3)

Es ist daher zwingend anzunehmen, daß die Hallstätter auch die Kelten des Weinviertels sowie des Gebietes nördlich der Thaya (Stamm der kelt. Boyer) mit ihren

Gütern, wie es auch noch bis ins 19. Jhdt. geschah, über die Donau versorgt haben, und daß die Gegend um den Haleberg aufgrund des damaligen entsprechend

höheren Wasserstandes gewissermaßen ein „Donauhafen“ (Anlegestelle) für den Salz-, Kupfer-, Eisen-, und sonstigen Warenhandel war und in die

Gegenrichtung auch Bernstein-, Getreide-, und wie jüngere Forschungen ergeben haben, möglicherweise auch Weinhandel. Für den „Hafen“ spricht auch

der Name des abgekommenen Dorfes Parz Superior (Porz), der sich von lateinisch „Portus“ = Hafen ableiten könnte, sowie die Flur „an der Hafnerstraße“ unweit

des Haleberges. Und nicht zuletzt würde auch die Flur „Rösselfeld“ (die vom Mark(t)weg durchquert wird) doppelten Sinn machen, wenn man bedenkt, daß für das

Treideln“, also das Wasseraufwärtsziehen der Schiffe und für den Transport der Wagen Pferde erforderlich waren.

Rohrecker über Flurnamen: Ungeachtet aller späteren Überlagerungen oder Verdrängungen bietet uns bei genauerem Hinsehen auch hier der Fundus der Flur- und

Geländenamen einen erstaunlichen Überblick über ein sehr eng geknüpftes Netz. Da ist z.B. die keltische Straße selbst, die ihren Namen wie der damit

ausgestattete Wagen vom Rad ableitet („redh“, „reda, „ road“). Alle zusammen verwandt mit der Reise, die mundartlich auch als „Roas“ ausgesprochen wird.




Die Donau, die bis zur Regulierung aufgrund der Corioliskraft stetig nach Süden wanderte nach der josefinischen Landesaufnahme um 1780 bis 1822, Foto: Nowotny Andreas (Karte: Heimatmuseum Absdorf)




Hochwassermarke 2002 „Im See und die Lahn Richtung Haleberg Trojaburg (siehe Beitrag zu „Im Röseln)



Sogar die „Reiter“ und „Ritter“ saßen ursprünglich nicht auf dem Pferd, sondern standen auf dem zweirädrigen (Streit-) Wagen dahinter, der ursprünglich selbst

nach seinen Rädern benannt war. An den Rad-, Red-, Reit-, Reut-, Ritt-, Rod-, Rot-, Ross-, Russ- und ähnlich eingeleiteten Namen lässt sich jedenfalls bis heute

in ganz Österreich ablesen, wo einst die befahrbaren Keltenstraßen großteils verlaufen sind... 3)

Da solche Wegmarken, wie der Haleberg nicht nur profaner, sondern auch sakraler Natur waren, und den Kelten die Trennung zwischen „profan“ und „sakral“

unbekannt war, war jedenfalls auch ein „Heiligtum“ (z.B. besonderer Stein, in späteren Jahrhunderten allenfalls auch ein Tempel aus Holz) und eine „Eremitage“

in der Nähe. An welchem Platz?

Georg Rohrecker: Hölle kommt wie Holle, Hall oder Helligkeit von „Heil“ und „heilig“! Die keltische „Anderswelt“ im bergenden, mütterlichen Schoß der

Erde war ein Ort des Lichtes, der Fülle und des Heils für den vorübergehenden, paradiesischen Aufenthalt der Seelen.3)

Und die Donau war jedenfalls ein Eingang in die Anderswelt. Die Donau hat ihren Namen von der vorkeltischen „Danu“, der „Muttergöttin Erde“; wird sie von der „Venus von Willendorf“ dargestellt?

In der Hölle“ und „Im Hiller (Höller)“ sind Fluren, die nahe dem Haleberg liegen.

Ing. Mann, "Die Orts- und Flurnamen im Bezirk Kirchberg/ Wagram" :

512 Höll und Höller: M. Schmit, geb. 1862, sagte: Die Felder im Höller (Im Hiller) heißen auch "Hoaßländ". Das sind sandige, heiße Felder. Es ist verständlich,

wenn unsere Vorfahren unter Hoaßländ sich der Hitze wegen die Hölle vorgestellt haben. In Jettsdorf besteht neben der Höll für das Grundstück 667/11 auch der

"Himmel". In Neudegg hört man neben Höll auch den Höllgraben. 2)

Nun, diese Angaben mögen auch ihre Berechtigung haben, doch sind die Flurnamen sicher älter und hatten auch damals noch keinen negativen Anstrich.

Georg Rohrecker schreibt weiter:

Erst das Christentum hat, in einem in den Ostalpen Jahrhunderte dauernden Feldzug der Verteufelung, aus der wunderbar heilenden „Anderswelt“ eine

höllische Unterwelt“ der ewigen Verdammnis gemacht. Und den gehörnten Heros der Muttergöttin, Cernunnos (cer = „wachsen“), der noch seine Hörner gleich

einer schmückenden Krone trug, um mit ihnen das Wachstum und die Macht über die Tiere zu symbolisieren, verunstaltete es zum gefürchteten Krampus.

Eine vergleichbare Verteufelung (siehe auch „Teufelsgrund“ nordwestlich des Haleberges), wie sie dem Cernunnos samt der Anderswelt passieren musste,

gelang für die keltische dreifache Muttergöttin selbst allerdings nicht. Als die drei Ewigen, die „drei Bethen“,(Ambeth = Danu mit dem Lindwurm = Seeschlange,

Wilbeth mit dem Rad und Borbeth mit dem Turm, von denen übrigens das Wort „beten“ abgeleitet ist und aus denen in der Folge die katholischen Heiligen

Margarethe, Katharina und Barbara hervorgegangen sind) sind sie bis heute auf und an den heimischen Bergen als Petzen, Pötschen oder Patsch zu finden. 3)






Rekonstruktion eines keltischen La Te´nezeitlichen Tempels für den Fruchtbarkeitsheros Cernunnos entsprechend der letzten wissenschaftlichen

Erkenntnisse aufgrund der archäologischen Grabungen in Roseldorf bei Hollabrunn und anderer gleichartiger Funde des vorchristlichen Europas im

Museum für Urgeschichte in Asparn a.d. Zaya.

Fotos: Andreas Nowotny



Ich denke, daß sich die Eremitage und das/der zum Haleberg gehörende „Heiligtum“/„Altar“ oder „Tempel“ zu den „3 Bethen“ auf der kleinen Anhöhe, direkt

nördlich der von Ing. Mann beschriebenen Grube (Opfergrube?) an der Ochsenstraße befand. Den „Kultpfahl des „Ermin“ stellte ja der Haleberg dar. Und ich

denke auch, daß sich die Reisenden, sowohl Händler als auch Pilger (Laut Rohrecker war das heutige Mariazell bereits während der Hallstattzeit eine Wallfahrt zur

großen Muttergöttin, aus der später ja auch die Heilige Maria wurde, auch Göttweig war eine kelt. Wallfahrt) 3) dort auf- und wahrscheinlich über die Donau bringen

ließen und an diesem Platz ihre Bitte um eine gute Überfahrt zur „Danu/Ambeth/Anbeth/Anu/Ani/Anna“ auf „Alahwerd“ ( siehe ehemalige Insel „Bodensee“ südlich

von Altenwörth und „Maria Ponsee“ =Bodensee. Lt. Rohrecker wird der Bodensee bei Bregenz von den Bethen abgeleitet, auch in „Roseldorf“ gibt es auf dem

Gelände der entdeckten keltischen Stadt die Flur „Bodengrund“) oder an das südliche Donauufer vorbrachten und auch bei der Ankunft ihren Dank opferten.

Über die Bedeutung von Örtlichkeiten mit der Silbe „Alt“ veröffentlicht ein Herr Norbert Firle auf der Homepage www.norbert-firle.de/holle.htm auf Seite 2 des

Artikels „Altheilige Orte und Spuren altheidnischer Verehrung der Göttin Holle oder Hulle im oberen Vogelsberge, Ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte

unserer Heimat von H. Zinn, Pfarrer in Pfungstadt“ 4) folgendes:

...daß die mit „Alt“ zusammengesetzten bzw. falsch verhochdeutschten Bergnamen unseres Gebietes, wie „Altenberg“, „Altenburg“, „Alterod“, „Altenhain“ von Haus

aus mit dem Eigenschaftswort „alt“ nichts zu tun haben, sondern auf eine in heidnischer Vorzeit da befindliche „Alah“ (=althochdeutsch alah, mittelhochdeutsch ale,

gotisch alhs), also einen heidnischen Opferplatz hinweisen. ...

... Da man später (nachweisbar schon im 12. und 13. Jht) die mundartliche Benennung der Berge (als Alachberge oder Opferberge), wie das Volk sie heute noch

nennt, verhochdeutschte man sie als Alteberge, Alteburgen usw., ganz ähnlich, wie man aus dem im Jahre 831 urkundlich bezeugten niederhessischen Dorf

Ahlastat in pago Hassorum“ schon 1244 ein Aldenstetin, 1272 ein Aldenstede und neuerdings ein Altenstadt machte. 4)

Pfarrer H. Zinn, der das Ganze mehr aus der „Germanischen“ Sicht betrachtet, wobei auch bei uns wahrscheinlich schon ab dem 1. vorchristlichen Jhdt. „nordischer“

Einfluß anzunehmen ist, schreibt weiter: Meistens hat (später) leider das Volk unter dem Einfluß des Christentums die ihm gefährlich erscheinenden Erinnerung an

heidnische Götter, die man an altheiligen Orten früher verehrte, aus den Namen der Orte beseitigt, ins Teuflische verzerrt, oder ins Christliche umgedeutet. Die

schon erwähnte Kultstätte am Köddinger Berge mußte sich in einen Teufelskopf umtaufen lassen, und so mancher heiliger Hain, in dem man Donar oder Wodan

oder dem Kriegsgott Ziu blutige Opfer darbrachte, wurde zu einem „Teufelsloch“ (zu althochdeutsch loh, sprich loch, lateinisch lucus, Hain) oder einer „Teufels^al“.

Am besten ist noch die Göttin „Holle“ oder Hulle, auch „Holda“ oder „Hulda“ genannt, davongekommen....... 4)

Man kann sich sehr gut vorstellen, daß auf einem Werd in der Donau ebenfalls eine solche Kultstätte, Althochdeutsch „Alah“, für die grosse Erdmutter

Danu/Ambeth/Anbeth/Anu/Ani/ (Anna)“ bestand. War es auf Alten(Alah?)wörth? Wenn auch behauptet wird, daß Sigmaris Weride und Altenwörth der selbe Ort sei,

ist doch anzunehmen daß dort bei einem Normalwasserstand der Donau von etwa 184 m Meereshöhe mehrere Inseln bestanden, und daß die erste christliche

Kirche in Konkurrenz zu einer „heidnischen Kultstätte“ errichtet wurde. Dafür sprechen würden auch die/das abgekomme(ne)n Dörfer/ Dorf „(H)anidorf“

Alten(Alah?)dorf“, wobei „Anidorf“ als Dorf der großen Erd- bzw. Göttermutter Danu, verschiedentlich als „Anu“, „Ani“, woraus auch „Anna“ (und auch die Hl. Maria°)) wurde, genannt, gedeutet werden kann. Alahdorf erklärte sich als das „Dorf in der Nähe der Ahla“.

°) Der Marienkult wurde in Ephesos, wo das grösste Heiligtum der großen Urmutter „Isis“ bestand, begründet und die Donau hatte auf griechisch den Namen

Ister“, der sich von „Isis“ ableitet.

Altendorf (Alahdorf?) vermute ich, hat auf der leichten Anhöhe links der Straße von Neustift nach Altenwörth ca. 500 m südlich des Niederwagrams, dierkt hinter

der Flur „Auf der Woad“ (Auf der Weide) an der dort vorbeiführenden Lahn (Donauarm), unweit der sog. „Uhuhütte“ gelegen. Der dort befindliche Hügel soll einst

ein Ziegelofen gewesen sein, doch könnte es sich ebenso um eine ähnliche (jüngere) Wegmarke wie der des Haleberges handeln, die später zum Ziegelofen

umfunktioniert“ wurde. Vielleicht hat diese Wegmarke auch den Weg zur „Alah“ gewiesen. Dafür spricht auch der Flurname „Gaissteig“ in Gigging, denn „Gais“

wird von Rohrecker 3) und nicht nur von diesem, als ein Ort, der außer zu Zeiten des Festes bzw. der Stammesversammlung, der Kulthandlung usw. „tabu“ war,

also vom gewöhlichen Volk, ausgenommen dem „Kultpersonal“ (Druiden, Fili) nicht betreten werden durfte, beschrieben. War er für die „Alahdorfer“ bzw.„Anidorfer“ tabu?

(H)anidorf soll entweder nordwestlich des heutigen Altenwörth in der Nähe der „Knödelhütte“ gelegen haben oder es war mit Altendorf gleichzusetzen.1)

Und genau auf der gegenüberliegenden Donauseite liegt „Maria Ponsee“..



Zurück zum Haleberg: Die Wassergrenze zog sich später infolge der Eintiefung der Donau langsam nach Süden („Fluren „Parz“ und „See“) zurück. Die späte „Latenezeit“ (etwa 1. Jhdt. v. Chr.) war die Zeit der „Oppida“ , der sog. „Höhensiedlungen“. Vermutlich durch Zuwanderungen von außen -Nordische Stämme?, Sarmaten von Osten, und nicht zuletzt der Römer- waren unruhige Zeiten hereingebrochen. Es ist schwer vorstellbar, daß nicht auch die, bisher in relativem Frieden lebende, Bevölkerung keltischer Kultur sichere Plätze suchte. Allein im Wienerwald bestanden bis zu 80 Höhensiedlungen. War der Schloßberg in Mitterstockstall bereits ein Zufluchtsort der hier ansässigen Bevölkerung? Ließ der Wasserstand der Donau bereits eine befestigte Anlage in „Winkil“ bzw. im „Burggrund“ zu? Die

Inseln in der Donau waren bestimmt relativ sicher. Folgt man den Ortsnamenergründungen bzw. der Spurensuche Rohreckers 3) und Firles 4), bestanden auch im

nördlichen Tullnerfeld entlang des Wagrams mehrere Siedlungen wie Feuersbrunn, Gösing, Fels, Absberg(Hippersdorf?), Gaisruck, Rußbach, und auch im Feld,

soweit bereits eine Nutzungsmöglichkeit zum Ackerbau bestand - z.B. Perzendorf, Bierbaum (Rohrecker führt die „Bür“- und „Bier“- Orte auf „Pyra“ zurück,




Altendorf (Alahdorf?) Uhuhütte Altenwörth?, Sigmaris Weride? Alahwerd?



Feuerzeichen, die zur Orientierung der Reisenden dienten, quasi „Leuchttürme“ an der Donau- man beachte die vielen Orte mit „Bierbaum“ und „pyr“ südlich der

Donau) , Altendorf, usw.. und auch Parz ist wahrscheinlich, zumal in der Nähe des Haleberges sowieso schon seit Jahrhunderten Menschen wohnten.

Bei „Parz“ kann es auch eine Verbindung zu den „3 Parzen“ der römischen Mythologie geben, wo diese die „3 Sckicksalsgöttinnen“ sind und auch „Frauendorf“ kann auf die „3 Frauen“ beim Haleberg hinweisen, die je nach der Zeit und Sprache Bethen, Petzen, und auch Parzen benannt wurden.

Da die Römer ein „Siedlungsverbot“ nördlich der Donau, vermutlich bis zum Wagram, erließen, und bekannt ist, daß sie die Infrastruktur beibehielten und für ihre

Zwecke umfunktionierten, haben sie sicher auch die Heiligtümer bestehen lassen und ihre Wachposten dort eingerichtet, wo bereits vorher welche bestanden und

diese möglicherweise noch ausgebaut, Parz, Burggrund, Winkl, Winkelberg, Absberg- Hippersdorf , Gaisruck usw. .

Vom damaligen Römerlager „Piro Torto“ oder „Asturis“ (wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt) bei Zwentendorf führt z.B. ein relativ gut ausgebauter Weg beim

Eleonorenheim“ vorbei, über „Frauendorf“, in den sog. „Mark(t)weg“ einmündend , vorbei an den Fluren „Parz“, „Im Hiller“, „Rösselfeld“ zum sog„Mühl-

weg“ und dort sich teilend zum „Schloßberg“ in Mitterstockstall und über den „Katzensprung“ nach „Kirchberg am Wagram“ bzw. „Oberstockstall“ usw..

Die nördliche Grenze war sicher variabel je nach den momentan bestehenden Machtverhältnissen zwischen „Germanisch- Keltischer“ (Markomannen/Quaden Boyer/Kamboi) und „Keltoromanischer“ Bevölkerung - die Übernahme Noricums durch die Römer erfogte ja „friedlich“.

In den weiteren frühen Jahrhunderten n.Chr. bekam das „Germanische“ die Oberhand und in weiterer Folge setzte die „Christianiserung“ ein.

Nach Prof. Ludwig Pfiffl wurde Neustift im Felde (Erstnennung 1399) nach schweren Hochwasserschäden der Dörfer „Hanidorf“ (auch als „Altendorf“ bezeichnet)

und „Parz“ durch verheerende Überschwemmungen der Donau auf einem hochwassersicheren Platz „neu gestiftet“. Die vorgenannten Orte scheinen in einem

Zehentverzeichnis der Pfarre Kirchberg aus dem Jahre 1230 als „Hannedorf“ und „Porz“ auf, Neustift wird darin noch nicht genannt.

Hanidorf (Dorf des Hanno?/ Dorf der Ani?) bestand nach der eingangs erwähnten schriftlichen Quelle von 1138 bis 1316 und lag nach L. Piffl südlich von Neustift im

Donaufeld unterhalb des Niederwagrams – heutiger Flurname Altendorf.
Parz bestand urkundlich von 1108 bis 1548. Laut dem Heimatbuch von Simlinger 5) gab es ein „Parz superior“ = „Oberes“ und ein „Parz inferior“ = „an der

unteren Grenze gelegenes“.

Parz Superior (abgeleitet von Portus = Hafen) befand sich wahrscheinlich etwa nördlich der buchtförmigen Eintiefung in der Flur „in der Parz“ an der „Hafnerstraß“,

die heute von der „Bierbaumerstraße“ aus östlich der Schottergrube Schauerhuber zu sehen ist.

Parz inferior befand sich wahrscheinlich östlich von Parz superior etwa an der Wegkreuzung des „Leeweges“ mit dem sog. „Mark(t)weg“, der gleichzeitig die nord

östliche Grenze des Gemeindegebietes von Neustift bildete. Der Name „Porz“ (gemeint dürftre Parz inferior sein) geht nach O. Fandl auf das römische „Portas“ =

Tor“ zurück, da dieser Weg vom einstigen Römerlager in Zwentendorf namens „Piro torto“ oder „Asturis“ eine Handelsverbindung nach Kirchberg darstellte

(noch heute führt der Weg/Straße am „Eleonorenheim“ vobei geradewegs zur Donau gegenüber von Zwentendorf) und im Bereich der Flur Parz gegen das Reich

der Rugier abgesichert war.

Eugippius, der Verfasser der „Vita Sancti Severini“ nennt in seinem Werk aus dem Jahre 511 auch das erste germanische Reich auf dem Boden

Niederösterreichs, jenes der Rugier, die um etwa 450 als Verbündete der Hunnen gemeinsam mit den Ostgoten in unser Gebiet kamen. Das Zentrum des

Rugierreiches lag in Stein an der Donau, wo sich die Burg des Königs Flaccitheos (um 450) befand, dem im Jahre 475 Feletheos folgte.

Unter Feletheos entstand ein reger Handel zwischen Rugiern und Römern. Auch in Kirchberg soll lt. O. Fandl die Burg eines Rugierfürsten (siehe Porz inferior)

und ein Handelsplatz bestanden haben. Zu dieser Annahme lädt die topographische Lage des Kirchenberges mit Halsgraben=Müllergraben u. Unter der Brücke ja

geradezu ein; ich nehme an daß sich bereits davor eine Art Oppidum dort befand.

Eine "Burg" anderer Art könnte bestätigt werden mit den Fluren "gegen Aufgang der Sonne", die einen ehemals hier bestehenden keltischen Lichtkultort anzeigt

und "im Röseln", einer dazugehörigen "Trojaburg", also Steinsetzung oder Pflanzung in Form eines Labyrinths, in der Wettkämpfe und Feste abgehalten wurden,

z.B. Wagenrennen, daher "Rössel- oder Rossengarten", (siehe auch "der Hürne Seyfridt" von Hans Sachs -Siegfried spricht: "Ja, ladt in her in Rossengarten, da

will ich sein mit Kampff erwarten"-bzw "Rosengarten" bei Worms), die man von der Burg aus sehr schön betrachten hätte können.

Feletheos machte die Bewohner des Tullnerfeldes tributpflichtig, weshalb ihm der heilige Severin mit dem Zorn Gottes und einem Strafgericht drohte. Dies dürfte

auch damit begründet gewesen sein, daß Feletheos´Gemahlin Giso eine Ostgotin war, die dem Arianischen Glauben nicht abschwören wollte. Das Strafgericht

erfolgte dann im Jahre 487, nachdem Feletheos von dem Skirenfürsten Odoaker besiegt und gemeinsam mit seiner Gattin Giso in Ravenna hingerichtet wurde.

Feletheos´ Sohn Fredericus rettete einen Teil des rugischen Heeres, wollte im Jahre 488 das Reich wieder aufrichten, wurde aber von König Odoakers Bruder

Hunwulf neuerlich besiegt und mußte mit dem Rest des Rugiervolkes zu den Ostgoten ausweichen, wo er sich Theoderich unterstellte.

Dies wird auch die Zeit gewesen sein, in der die "Überdeckung" der "heidnischen" Kultplätze mit neuen Namen begann.

Um 490 bis 500 besetzten die Langobarden Südmähren und das Rugiland in Niederösterreich nördlich der Donau, im Jahre 505 nahmen sie eine Ebene, die

Feld“ (=Tullnerfeld) genannt wurde, in Besitz. Maria Ponsee soll eine langobardische Gründung sein.

Um 550 erfolgte die größte Machtentfaltung der Langobarden in NÖ unter König Wacho.

Die Slawen kommen von Süden und später von Norden nach NÖ.

567: Die Awaren dringen in den ungarischen Raum ein. Sie verbünden sich mit den Langobarden und besiegen in Ungarn die germanischen Gepiden.

568: Die Langobarden ziehen nach Norditalien ab und hinterlassen der Restbevölkerung (Rugier, Slawen, Heruler, Gepiden, Awaren ....) das Land.

623: Ein Aufstand der Slawen unter dem Franken Samo gegen die Awaren führt zur Bildung eines slawischen Großreiches, das wahrscheinlich auch Teile

Niederösterreichs umfaßt. 658 stirbt Samo und sein Reich zerfällt wieder.

696 bis 718: Christianisierung der Bayern.

739: Bonifaz organisiert die Kirche Bayerns, das Bistum Passau wird für die Bekehrung des Donautales zuständig. Damit kommen auch die Bayern (zum Teil

wieder - Boier) in unser Land.

795: Unter Karl dem Großen ziehen die Franken südlich- und die Friesen und Sachsen nördlich der Donau gegen die Awaren und zerstören das Awarenreich.

Karl errichtet 803 die „Awarische“ oder Karolingische (Ost-) Mark die vornehmlich südlich der Donau bestand. Nördlich der Donau bildete die Grenze (die später

unter den Babenbergern stufenweise nach Norden verlegt wurde) etwa der Wagram (Wachrain, Bruggrund?, Markweg? Parz inferior?). Durch den Sieg Karls des

Großen über die Awaren können auch die Slawen deren Herrschaft abschütteln und nordöstlich dieser Mark das Großmährische Reich entstehen, das schon zur

Zeit Samo´s mit den Franken Kontakt hatte. Ab dieser Zeit spielen die Mährer in der Grenzmark eine Rolle.

833 wird der Slawenfürst Priwina in Traismauer getauft.

854: Graf Ratbod (Ratpot), Präfekt der Grenzmark, verrät die Franken an die Mährer und wird deshalb 856 abgesetzt. Nach ihm soll der Ort Radlberg

(Höchstwahrscheinlich jedoch Rappoltenkirchen, Rappottenstein) benannt worden sein.

Rohrecker leitet die mit Rad-, Red-, Reit-, Reut-, Ritt-, Rod-, Rot-, Ross-, Russ- und ähnlich eingeleiteten Namen vom (Wagen-)Rad "redh", "reda" und "road" ab,

alle zusammen mit der Reise, die mundartlich auch als "Roas" gesprochen wird .

Sie zeigen allesamt an, wo einst die befahrbaren Keltenstraßen verlaufen sind. 3)

Hinter dem Haleberg gibt es auch die Flur Rösselfeld ... und bei Neudegg den Ort Radlbrunn...

864/65 weilt Erzbischof Adalwin von Salzburg zu Weihnachten bei Fürst Kozel in der Moosburg am Plattensee und zieht auf dem Rückweg durch das

nördlicheTullnerfeld. Er weiht am 1. Jänner die Michaelskirche in Orth/Donau und am 13. Jänner die Kirche in Hadersdorf/Kamp.

884 trifft König Karl III. in Tulln mit dem Slavenfürst Swatopluk (Zwentibold) zusammen(Zwentendorf).

904 bis 906: Zerstörung des Großmährischen Reiches durch die Ungarn.

907: Der Slawengraf Josef regiert noch im Kamptal bei Gars/Thunau.

5.7.907: Die Bayern unter Markgraf Liutpold werden von den Ungarn bei Brecalauspurc (Preßburg) vernichtend geschlagen. Danach errichten die Ungarn bis

Enns eine Grenzmark gegen das fränkische Reich (Markgraf Rüdiger von Bechelaren).

913 bis 955 werden die Ungarn westlich der Mark mehrmals von den Bayern und Franken geschlagen, zuletzt am

10.8.955 auf dem Lechfeld von König Otto I. durch ein Reichsheer, worauf sie sich nach Ungarn zurückziehen, danach war die Mark wieder in bayrischen Händen

(Markgraf Leopold v. Babenberg).

14.8.995: die Stadt Krems wird erstmals urkundlich genannt.

1.11.996: Ostarrichi wird erstmals urkundlich erwähnt.

1.11.1002: Kaiser Heinrich II. schenkt dem Babenberger Heinrich I. unter anderem 20 Hufen Land zwischen Kamp und March.

13.10.1014: Der Leichnam des Hl. Koloman, der in Stockerau ermordet wurde, wird nach Melk überführt und feierlich beigesetzt.

1014: Kaiser Heinrich der II. schenkt dem Bischof Berengar von Passau Grund und Boden für die Errichtung der Mutterpfarren Herzogenburg, Sigmaresweride

(Altenwörth), Tulln, Jedlesee und wahrscheinlich Stockerau.

1045 in einer Schenkungsurkunde an Markgraf Siegfried der Ungarnmark wird die „Ungarica platea“, die Ungarnstraße, die nördlich der Donau entlang führt,

genannt.

Im September 1058 zieht der minderjährige König Heinrich IV. in Begleitung seiner Mutter, der Reichsverweserin Agnes von Poitou gegen Ungarn. Am 13.Sep-

tember sind sie in Trübensee, das zu dieser Zeit eine befestigte Stadt in Passauer Besitz war, die an einem schiffbaren Donauarm lag und erst durch die

Verlandung desselben ihre Bedeutung verlor.

Und ebenso wie Trübensee seine einstige Bedeutung verlor, hat sie auch die Gegend um den Haleberg (etwas früher) und Parz verloren. Mit der Zeit geriet vieles in

Vergessenheit. Lediglich einige Orts- und Flurnamen blieben und der Salz- und sonstige Handel wurde nach wie vor über die Donau, vorerst Winkl, siehe Fluren

Gris und Griesfeld dann Sigmaris Weride siehe Flur im Greißeln im Bereich von Gigging bzw. Altenwörth abgewickelt. Gries bedeutet: sandiges Ufer, an dem Salz

gehandelt wird bzw. griesen und greisen steht auch für verkaufen, z.B. Greisslerei ist ursprünglich eine Salzverkaufsstätte.

Und auch heute noch hat die Lebensader Europas eine ganz besondere Anziehungskraft.

Noch ein Wort zu Winkl:

Georg Rohrecker schreibt: Ein „mythologischer Bruder“ der Heroen Georg und Michael ist auch der zum Kinderfreund verharmloste Nikolaus, ehemals lykischer

Wasser- und Fruchtbarkeitsheros. Selbst die Legende vom frommen Bischof aus Myra enthüllt mehr als sie verbirgt. Dieser Santa Klaus soll nämlich justament in

Patara geboren worden sein, dem ursprünglichen Zentrum des Apollon Kultes in Kleinasien. Und tatsächlich ist Nikolaus, dessen Name auch mit Nix und Nöck

verwandt ist, ein kultischer Erbe von Apollon und seiner Großen Mutter Artemis/Diana, der in den Ostalpen als Ersatz für einen Heros der Drei Bethen – von wegen

3 Jungfrauen - eingesetzt wurde. Seine goldenen Äpfel sind die Äpfel des ewigen Lebens, die Helden von Herkules bis Arthus zu erringen trachteten. Sein Sack ist

ein anderes Symbol für Dagdas Kessel der Fülle und der Wiedergeburt, die Matrix der Urmutter. Und auch die Fruchtbarkeit verheißende Rute trug Nikolaus

ursprünglich selbst.

Wo heute in den Ostalpen Nikolauskirchen stehen, waren ursprünglich Kultplätze, bei denen es um Fruchtbarkeit und ewiges Leben ging. Wobei Nikolaus ähnlich

Michael (und Christophorus) insbesondere auch die Rolle eines schützenden Begleiters der verstorbenen Seelen und Garanten für ihre Wiedergeburt zufiel. Noch

heute bittet er auf hunderten Altarbildern die „Heilige Dreifaltigkeit“, die nunmehr allerdings männlich dargestellt wird, um die Auferstehung diverser von ihm

präsentierter Leichname. Weil an den schiffbaren Gebirgsflüssen der Ostalpen auch viele ertrunkene Schiffleute waren, fiel ihm mit seiner Wasserkomponente auch

gleich deren Schutz und vor dem Johannes aus Nepomuk auch der der Brücken zu“. 3)






Platz der ehemaligen Wasserburg Winkl während des Hochwassers 2002



Also weist auch Winkl auf einen Kultplatz hin. Nicht zufällig reicht die Grenze von Winkl direkt bis an den Haleberg heran. Winkl und der Winkelberg sowie

Kirchberg waren sicherlich die „Schutzburgen“ für den Haleberg und dessen „Darumherum“. Mit dem Zurückweichen des Donauufers verlagerte sich natürlich auch

der „Hafen“ immer weiter nach Süden, bis er endlich in Alten(Alah)wörth war.

Noch einige weitere Hinweise:

Rohrecker führt „Abtenau“ nicht unbedingt auf die „Äbte“, sondern möglicherweise auf „Apa“, was soviel wie „Wasser“3) bedeutet. Dies könnte auch auf den

Absberg zutreffen, als „vom Wasser der Schmida und Donau umgeben“.

Den „Bernhof“ bei Scheffau deutet er nicht vom Bären, sondern von kelt. bern/bernia als „Übergang zwischen 2 Siedlungsgebieten“.

Bierbaum am Kleebühel wäre zu Übersetzen als Feuerbaum (Pyrbaum) am Lehmbühel (ClayBigl).“ Der „Kleebühel“ liegt südlich des Ortes nahe der Au.



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Quellenangabe:

1) Prof. Dr Richard Hübl „Geschichte der Marktgemeinde Kirchberg am Wagram“

2) Ing. Mann, "Die Orts- und Flurnamen im Bezirk Kirchberg/ Wagram"

3) Georg Rohrecker „Die Kelten Österreichs, auf den Spuren unseres versteckten Erbes“

4) Homepage www.norbert-firle.de/holle.htm Artikel „Altheilige Orte und Spuren altheidnischer Verehrung der Göttin Holle oder Hulle im

oberen Vogelsberge, Ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte unserer Heimat von H. Zinn, Pfarrer in Pfungstadt“

6) Ein Heimatbuch für Kirchberg am Wagram von Wilhelm Simlinger



Letzte Änderung: 2.Sept 2008



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http://de.wikipedia.org/wiki/Trojaburg





















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